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Steuerungsgruppe zur Windkraft am Rödeser Berg in Wolfhagen

(2009) Wolfhagen in Hessen

Themenbereich Windkraft
Format Steuerungsgruppe
Dauer Monat/e
Gruppengröße Kleingruppe

Versachlichung der Debatte; Auflösung von Konflikten; Identifizierung von Standortalternativen für Windenergie

Steuerungsgruppe zur Windkraft am Rödeser Berg in Wolfhagen

Ina Richter*

Hintergrund

Wolfhagen hat eine Reihe an Maßnahmen ergriffen, um eine nachhaltige kommunale Energieversorgung zu realisieren. In der kleinen Stadt in Hessen hat im Jahr 2006 das kommunale Stadtwerk die Konzession für die örtlichen Stromnetze übernommen. Auf Initiative von Bürgern gründete sich kurz darauf im Jahr 2007 eine „Klimaoffensive Wolfhagen“. Im darauffolgenden Jahr setzte sich die Stadt das Ziel, bis 2015 100% des Stroms für die Wolfhagener Haushalte aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen. Windenergie spielt dabei eine wichtige Rolle.

Mit fachlichen und gesellschaftlichen Vertretern wurde nach einem geeigneten Standort gesucht. Fünf mögliche Flächen wurden geprüft, die Entscheidung fiel auf den Rödeser Berg. Nicht alle Parteien und Bürger unterstützten diese Wahl. Widerstand organisierte sich in Form einer Bürgerinitiative gegen Windenergie am genannten Standort. Um die Diskussionen zu versachlichen und den Konflikt aufzulösen, rief der Bürgermeister eine „Steuerungsgruppe Windenergie“ ins Leben. Noch während die Steuerungsgruppe tagte, formierte sich eine Bürgerinitiative pro Windkraft in Wolfhagen.

Verfahren

Ziel der Steuerungsgruppe war es, in Form eines Mediationsverfahrens einen sachlichen Dialog zu führen, Konflikte zu lösen und Alternativen für den Standort Rödeser Berg zu identifizieren. Prinzip des Verfahrens war es, Entscheidungen im Konsens zu treffen. Mitglieder der Steuerungsgruppe waren der Bürgermeister der Stadt Wolfhagen, Vertreter der im Stadtparlament vertretenen Parteien, der Geschäftsführer der Stadtwerke, die Vertreter der Bürgerinitiative, ein Vertreter des Kirchenkreises und der Klimaoffensive wie ein interessierter Bürger. Bei konkreten Fachfragen wurden sachkundige Bürger und Experten hinzugezogen.

Das Verfahren wurde durch einen Mediator moderiert. Die Auftaktveranstaltung fand unter Beteiligung interessierter Wolfhagener Bürgerinnen und Bürger statt. Die Steuerungsgruppe tagte mehrfach zwischen Februar und November 2009. 13 Treffen sind protokolliert. Wechselnde Teilnehmer bei den Bürgerinitiativen, zu wenig Zeit und unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten erschwerten die Zusammenarbeit. Politische Vertreter verließen z.T. die Gruppe und wurden durch andere gesellschaftliche (wie bspw. kirchliche) Vertreter ersetzt.

Ergebnis

Die Konflikte um den Standort Rödeser Berg konnten nicht aufgelöst werden. Verhärtete Positionen führten letztlich zum Auflösen der Steuerungsgruppe, bevor ein Votum für alternative Standorte gefunden werden konnte. Der Beschluss des Regionalplans Nordhessen 2010 wies letztlich auf dem Wolfhagener Stadtgebiet zwei Standorte sowie den Rödeser Berg als Vorranggebiete für Windenergie aus. 2013 wurden vier Windkraftanlagen auf dem Rödeser Berg genehmigt.

Literaturhinweis

Leibenath, M. und Antje O. 2013, „Windräder in Wolfhagen – eine Fallstudie zur diskursiven Konstituierung von Landschaften“, in Leibenath, M., Heiland, S., Kilper, H. und S. Tzschaschel (Hg.), Wie werden Landschaften gemacht? Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Konstituierung von Kulturlandschaften, transcript Verlag Bielefeld, 205-236.

Stadtverordneten Wolfhagen, Kommunalvertreter-Serie zum Energiekonzept Wolfhagen, online verfügbar unter: www.windpark-wolfhagen.de (Zuletzt eingesehen am 28.07.2015).

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