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Beirat zur Tiefengeothermie im Kreis Groß-Gerau

(2012) Groß-Gerau in Hessen

Themenbereich Geothermie
Format Beirat
Dauer Monat/e
Gruppengröße Kleingruppe

Informationsvermittlung; Schaffung von Transparenz; Einholen von Meinungen; Formulierung von Bewertungen und Forderungen aller Beteiligten zu Standortfragen und konkreten Projekten

Beirat zur Geothermie im Kreis Groß-Gerau

Ina Richter*

Hintergrund

In Hessen werden seit 2007 Pläne zu einem neuen Projekt der Tiefengeothermie vorangebracht. Der Raum zwischen Groß-Gerau, Trebur, Nauheim und Rüsselsheim erweist sich als besonders geeignet für die Gewinnung von Erdwärme. Im Spätsommer 2011 erfolgten weitere seismische Messungen, um potentielle Standorte für Kraftwerke zu identifizieren. Standorte in sechs Gebieten kommen nach umfangreichen Untersuchungen für ein neues Kraftwerk der Tiefengeothermie in Frage. Um die betroffenen Bürger wie Interessengruppen frühzeitig in die Planungen zu Standorten und das ‚Wie‘ des Projektes einzubeziehen, initiierte der kommunale Energiedienstleister als Träger des Projektes noch vor Aufnahme des formellen Planungsverfahrens einen Beteiligungsprozess. Er wählte einen Dienstleister aus, der die Planung, Durchführung und Moderation des Verfahrens übernahm.

Verfahren

Im November 2012 nahm in Groß-Gerau das Beteiligungsverfahren seinen Auftakt. Ziel des Verfahrens war es, möglichst frühzeitig eine Breite an Menschen aus der Bevölkerung in die Planung des Geothermiekraftwerkes einzubeziehen und einen ergebnisoffenen Prozess durchzuführen. Im Kern ging es um die Vermittlung von Informationen sowie die Diskussion und Bewertung der jeweiligen Standorte. Der zukünftige Betreiber des Kraftwerkes gab an, die Ergebnisse als Grundlage für die Entscheidungen zum Geothermieprojekt im Kreis Groß-Gerau zu nehmen.

Der Beteiligungsprozess umfasste drei Elemente, um Interessengruppen wie Bürger einzubeziehen: Öffentliche Bürgerforen, ein Beirat zur Begleitung des Verfahrens sowie Anliegerworkshops. Letztere sollten durchgeführt werden, sofern sich der Betreiber für eine Weiterverfolgung des Projektes entscheidet. Eine Projektwebseite diente als Kommunikationsmittel, auf der sämtliche Informationen und Protokolle von Einzelveranstaltungen für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Gleichfalls konnten hier Fragen gestellt und Antworten veröffentlicht werden.

Neben einer öffentlichen Auftaktveranstaltung fanden fünf öffentliche Bürgerforen statt, an denen im Schnitt um die 100 Bürger teilnahmen. Ziel der Foren war es, Informationen im Dialog mit Fachleuten und kommunalen Verantwortlichen zu vermitteln und Meinungen einzuholen. Themen der einzelnen Veranstaltungen waren Aspekte der Erdwärme in der Region, Umgang mit Risiken, Chancen wie auch Erfahrungen von Betroffenen. Zu letzterem Thema kamen Geothermie-kritische Bürgerinitiativen wie Betroffene aus anderen Regionen Deutschlands zur Diskussion hinzu. Die Auswahl der Referenten erfolgte dabei im Beirat. Interessierte konnten zudem an einer Exkursion zu einem Geothermiekraftwerk teilnehmen. In einer abschließenden Veranstaltung wurde eine Übersicht über die Arbeit in den Foren mit Positionen aus dem Beirat zusammengeführt.

Der Beirat bestand bis auf zwei Privatpersonen aus Gemeinde- und Interessenvertretern, z.B. aus dem Bereich Naturschutz und Landwirtschaft, aus Vertretern von Bürgerinitiativen, von wirtschaftlichen und kirchlichen Organisationen. Acht Teilnehmer wurden gezielt durch den Prozess-Dienstleister angefragt und weitere Teilnehmer wiederum durch diese identifiziert. Die Bevölkerung wurde auf dem ersten Forum entsprechend informiert. Um die 10 stimmberechtigten Beiratsmitglieder sowie Vertreter des Vorhabenträgers und Berater wohnten den jeweiligen Sitzungen bei. Je nach Themenschwerpunkt konnten Fachreferenten hinzugezogen werden. Aufgabe des Beirats war es, innerhalb von sechs Sitzungen die Meinungen und Interessen der Interessengruppen sowie der Bevölkerung (aus den Foren) aufzunehmen, zu reflektieren und anhand von thematischen Bereichen (bspw. Natur- und Flächenschutz, Nutzenoptimierung und Wertschöpfung, Risikobewertung, Information und Kommunikation) vertieft zu diskutieren. Auf dieser Grundlage sollte ein Schlussbericht erstellt werden, der Bewertungen und Forderungen der verschiedenen Beteiligten aufgreift und widerspiegelt.

Das dritte Beteiligungselement, Anwohnerworkshops, war für die Phase geplant, in der es um die Realisierung eines konkreten Projektes an einem Standort geht.

Ergebnis

Ergebnis des Beteiligungsverfahrens war ein Schlussbericht, der Forderungen in den Themenfeldern a) Natur-, Umwelt- und Flächenschutz, b) Nutzenoptimierung, Wertschöpfung und Wirtschaftlichkeit, c) Risikobewertung, Versicherung und Haftung und d) Information und Kommunikation enthält. Gleichfalls beinhaltete er eine Bewertung von vorgeschlagenen Eignungsgebieten. Der Bericht wurde auf einem Abschlussforum der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Projektträger hat angekündigt, die Ergebnisse und hier formulierten Empfehlungen als Basis für die weitere Planung und Entscheidung zu Fragen des ‚Ob‘, ‚Wie‘ und ‚Wo‘ eines zukünftigen Projektes zu nehmen.

Der Beirat ist auch nach Abschluss dieser ersten Phase weiterhin begleitend tätig. Die Anliegerworkshops sind für den Herbst 2015 geplant, nach Aufnahme des Genehmigungsverfahrens im April 2014 und der Genehmigung des Betriebsplans.

Literaturhinweis

Projektwebseite mit Protokollen und Dokumenten online verfügbar unter: http://dialoggeo.de (Zuletzt eingesehen am 28.07.2015).

Weitere Angaben zum Projekt und Dialogverfahren sind online verfügbar unter: http://www.geothermie-trebur.de (Zuletzt eingesehen am 28.07.2015).

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